Glücksspiel-Survey 2026 – Ergebnisse für Sportwetter

Glücksspiel-Survey 2026: 2,2 % mit Störung, 27 % der Live-Wetter betroffen – die wichtigsten Studienergebnisse für Sportwetten-Spieler.

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Einleitung: Die größte Glücksspielstudie Deutschlands — und ihre Bedeutung für Wetter

Der Glücksspiel-Survey 2025, durchgeführt vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung Hamburg und der Universität Bremen, ist die umfassendste epidemiologische Erhebung zum Glücksspielverhalten in Deutschland. Die zentrale Zahl: 2,2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zwischen 18 und 70 Jahren erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung nach DSM-5. Im Vergleich zum Survey 2023, der 2,4 Prozent ermittelte, ist der Wert leicht gesunken — aber die absolute Zahl bleibt über einer Million Betroffener.

Für Sportwettende ist der Survey weit mehr als eine akademische Studie. Er liefert die Datengrundlage für regulatorische Entscheidungen — Einzahlungslimits, Wettmarkt-Beschränkungen, Werberegelungen —, die den Markt direkt betreffen. Wer versteht, was der Survey sagt, versteht auch, warum der deutsche Sportwettenmarkt so reguliert ist, wie er ist. Und er hat ein Werkzeug, um das eigene Verhalten einzuordnen.

Die Daten sprechen — wer zuhört, schützt sich.

Kernaussagen: Prävalenz, Geschlecht, Alter und Sportwetten-Risiko

Die 2,2 Prozent Gesamtprävalenz sind ein Durchschnittswert, der die erheblichen Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen verdeckt. Die geschlechtsspezifische Aufschlüsselung zeigt das klarste Muster: 3,2 Prozent der Männer erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung, bei Frauen sind es 1,1 Prozent. Männer sind also fast dreimal so häufig betroffen — ein Verhältnis, das sich seit dem Survey 2023 nicht verändert hat und das direkt mit der Nutzung von Sportwetten korreliert, die eine überwiegend männliche Aktivität sind.

Die Altersstruktur liefert ein zweites, noch beunruhigenderes Bild. Die Altersgruppe 18 bis 25 Jahre weist mit 4,6 Prozent die höchste Prävalenz auf — mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Bei den 56- bis 70-Jährigen liegt der Wert bei nur 0,8 Prozent. Diese Altersgradient zeigt, dass junge Erwachsene — die Kernzielgruppe der Sportwetten-Werbung — die vulnerabelste Gruppe sind. Die Regulierung, insbesondere die Werbeeinschränkungen und das Einzahlungslimit, adressiert genau diese Gruppe.

Der für Sportwettende brisanteste Einzelwert des Surveys: 27 Prozent aller Personen, die Live-Sportwetten spielen, erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung. Kein anderes Glücksspielformat kommt auch nur annähernd an diese Rate heran. Online-Automatenspiele, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als riskanter gelten, liegen deutlich darunter. Die 27 Prozent sind keine Randnotiz, sondern die statistische Grundlage dafür, warum die GGL den Livewetten-Markt strenger reguliert als den Pre-Match-Bereich.

Die Studie unterscheidet zwischen drei Schweregraden: risikoarmes Spielen, problematisches Spielen und pathologisches Spielen. Die Grenzen sind nicht scharf, sondern fließend — ein Muster, das den schleichenden Übergang von kontrolliertem zu problematischem Verhalten widerspiegelt. Für den einzelnen Wettenden bedeutet das: Es gibt keinen klar definierten Punkt, an dem man plötzlich süchtig wird. Der Übergang ist graduell, und genau deshalb sind Warnsignale — steigende Einsätze, Verlustjagd, Verheimlichung — so wichtig. Sie markieren die Abschnitte auf einem Spektrum, nicht einen einzelnen Kipppunkt.

Ein weiterer Datenpunkt des Surveys: Die Befragten mit Glücksspielstörung berichten signifikant häufiger von finanziellen Problemen, Beziehungskonflikten und psychischen Belastungen als die Kontrollgruppe. Glücksspielstörung ist keine isolierte Sucht — sie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, was die Dringlichkeit der Prävention und der frühzeitigen Intervention unterstreicht.

Besonders alarmierend ist der Befund zur Mehrfachnutzung: Personen, die mehrere Glücksspielformen parallel nutzen — etwa Sportwetten und Online-Automatenspiele —, weisen eine signifikant höhere Prävalenz auf als Nutzer einer einzelnen Glücksspielform. Für Sportwettende bedeutet das: Wer zusätzlich Online-Slots spielt oder Poker-Turniere besucht, bewegt sich in einer Risikozone, die über das Suchtpotenzial der einzelnen Glücksspielform hinausgeht. Die Kombination verschiedener Glücksspiele potenziert das Risiko, nicht addiert es.

Einordnung: Was die Zahlen für den regulierten Markt bedeuten

Die Ergebnisse des Surveys liefern der GGL und den Landesregulatoren die empirische Grundlage für ihre Maßnahmen. Das Einzahlungslimit von 1 000 Euro, die Einschränkung der Livewetten-Märkte, die OASIS-Sperren und die Werberestriktionen — all diese Maßnahmen stützen sich auf Daten, die der Survey und seine Vorgänger geliefert haben. Die Regulierung ist nicht willkürlich, sondern datenbasiert — auch wenn die einzelne Maßnahme dem Wettenden im Alltag als Einschränkung erscheint.

Konrad Landgraf, Leiter der Landesstelle Glücksspielsucht Bayern, hat den Zusammenhang zwischen Sportwetten und Suchtrisiko zusammengefasst: Es sei erschreckend, wie schnell aus einer vermeintlich harmlosen Wette eine ernsthafte Sucht entstehen könne. Der Survey bestätigt diese Einschätzung mit harten Zahlen — und zeigt, dass das Risiko nicht gleichmäßig verteilt ist, sondern sich auf bestimmte Gruppen konzentriert: junge Männer, Live-Wettende und Personen, die mehrere Glücksspielformen parallel nutzen.

Für den regulierten Markt bedeuten die Ergebnisse auch: Der Schutz funktioniert — teilweise. Der leichte Rückgang der Prävalenz von 2,4 auf 2,2 Prozent zwischen 2023 und 2025 fällt in einen Zeitraum, in dem die GGL-Regulierung ihre volle Wirkung entfaltet hat. Ob dieser Rückgang kausal auf die Regulierung zurückzuführen ist oder andere Faktoren eine Rolle spielen, lässt sich aus einem einzelnen Survey nicht schließen. Aber die Richtung stimmt — und die Daten geben keinen Anlass, die bestehenden Schutzmaßnahmen zu lockern.

Was der Survey nicht beantwortet: Wie viele Personen mit Glücksspielstörung auf nichtlizenzierte Anbieter ausweichen, weil sie im regulierten Markt gesperrt oder eingeschränkt sind. Diese Dunkelziffer ist der blinde Fleck der Studie — und das zentrale Argument derjenigen, die für eine Liberalisierung des regulierten Marktes plädieren. Die Debatte ist nicht abgeschlossen, aber sie wird auf einer besseren Datengrundlage geführt als je zuvor.

Zur Einordnung der Methodik: Der Survey basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 12 000 Personen zwischen 18 und 70 Jahren. Die Erhebung erfolgt telefonisch und online, die Diagnose einer Glücksspielstörung orientiert sich an den DSM-5-Kriterien, die international anerkannt sind. Die Stichprobengröße ist ausreichend, um die Gesamtprävalenz zuverlässig zu schätzen, aber für Untergruppen — etwa Live-Sportwetter oder Nutzer bestimmter Anbieter — werden die Konfidenzintervalle breiter. Die 27 Prozent bei Live-Wettern sind statistisch belastbar, aber die Stichprobe für diese Subgruppe ist kleiner als für die Gesamtbevölkerung, was bei der Interpretation berücksichtigt werden sollte.

Daten, die jeden Wettenden an die Risiken erinnern

Der Glücksspiel-Survey 2025 ist keine Lektüre, die zum Wetten motiviert. Er ist eine Datenquelle, die jeden Sportwettenden daran erinnert, dass sein Hobby ein messbares Risikoprofil hat — und dass dieses Risiko nicht für alle gleich ist. 2,2 Prozent Gesamtprävalenz, 4,6 Prozent bei 18- bis 25-Jährigen, 27 Prozent bei Live-Wettern: Diese Zahlen sind nicht abstrakt, sondern betreffen reale Menschen in realen Lebenssituationen.

Für den regulierten Markt liefert der Survey die empirische Legitimation der bestehenden Schutzmaßnahmen. Für den einzelnen Wettenden liefert er einen Spiegel, der ehrlicher ist als jeder Wettschein. Die Daten sprechen — wer zuhört, schützt sich. Und wer sich fragt, ob die Warnsignale auf ihn zutreffen, hat bereits den wichtigsten Schritt getan: die Frage zu stellen. Bei der BZgA-Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 findet jeder, der diese Frage nicht allein beantworten kann, kostenlose und anonyme Unterstützung.